Ende Mai 2010 griffen drei Polizisten einen aus Bangladesch stammenden Praktikanten der Firma Hanse Solar GmbH in Wismar an, während er auf dem Betriebsgelände arbeitete.
Der Chef der Firma Christian Gnirke stellte Anzeige gegen die Beamten wegen Körperverltzung im Amt, die im August diesen Jahres fallen gelassen wurde.

Rückblick

Der Chef der Hanse Solar GmbH Christian Gnirke, Abed Ali und der körperlich behinderte Praktikant Nasruddin arbeiteten gerade in den Abendstunden des 22.05.2010 auf dem Betriebsgelände und suchten Werkzeuge und Waren zusammen.

Nach Aussage des Bengalen Nasruddin stürmten auf einmal drei Polizeibeamte mit gezogener Waffe auf ihn zu, die zuvor über den 2 Meter hohen Zaun gesprungen waren. Trotz erhobenen Händen warfen sie ihn zu Boden, verpassten ihn einen schmerzhaften Tritt ins Kreuz, drehten ihm die Arme mit Gewalt auf den Rücken und legten Handschellen an. Gnirke beobachtete das Geschehen vom Dach des Firmengebäudes und beschrieb den völlig überzogenen Polizeieinsatz als „haarsträubend und brutal“.
Er bat die Beamten im forschen Ton die Handschellen zu entfernen und das Betriebsgelände unverzüglich zu verlassen. Nach einigem Hin und Her taten sie das auch, ohne ein Wort der Entschuldigung fallen zu lassen. Anschließend fuhren Gnirke und Nasruddin, der vor Schmerzen nicht mehr alleine aufstehen konnte, ins Hanse-Klinikum Wismar um die Verletzungen behandeln zu lassen. Die darauffolgende Anzeige wegen Körperverletzung im Amt gab Christian Gnirke in seiner Heimatstadt Bremen auf, da sich die Polizisten der Dienststelle in Wismar hiergegen verweigerten.

Von Seiten der Polizeibeamten wurde erklärt, dass ein Passant einen schweren Einbruchsdiebstahl auf dem Gelände der Hanse Solar GmbH gemeldet habe. Als die Beamten nun auf Nasruddin stießen, sei es zu Sprachbarrieren gekommen. Die Festnahme erfolgte, nachdem der körperlich behinderte Praktikant den polizeilichen Anweisungen nicht Folge leistete.

Das Urteil

Im August 2011 wurde das Ermittlungsverfahren gegen die drei Polizeibeamten wegen Körperverletzung im Amt eingestellt. Begründet wurde dies damit, dass die genauen Geschehensabläufe nicht geklärt werden konnten. Da die Beamten von einem Diebstahl im besonders schweren Fall ausgingen, seien sie zum einschreiten verpflichtet gewesen. Außerdem wurde das ärztliche Attest in Frage gestellt, indem behauptet wurde, die Verletzungen im Rückenbereich seien nicht zwangsweise durch einen gezielten Tritt entstanden.

Gegenwart

Nach dem brutalen Übergriff durch die 3 Polizeibeamten kehrte Nasruddin mit Unterstützung seines damaligen Arbeitgebers schnellstmöglich nach Bangladesch zurück.
Noch heute leidet der junge Mann an den körperlichen und vor allem seelischen Folgen dieser Tat, sodass er weiterhin arbeitsunfähig ist und mit den daraus resultierenden gesellschaftlichen Problemen zu kämpfen haben wird. Es bleibt unklar inwieweit sich Nasruddin von dieser Polizeiattacke und der darauffolgenden deutschen Rechtsprechung erholen wird.

Der in seiner Härte völlig überzogene Einsatz auf dem Gelände der Hanse Solar GmbH ist kein Einzelfall polizeilicher Verfehlung in der Hansestadt Wismar.
Immer wieder gerät die Polizeidirektion Wismar mit ihren Bediensteten in mediale Schräglage.
So kommt es gegenüber Opfern rechter Gewalt oft zu verhöhnenden oder gar ketzerischen Äußerungen durch die Polizeibeamten und -beamtinnen. Auch durch scheinbar mangelndes Interesse an der Aufklärung von extrem rechten Taten und dem viel zu späten Einschreiten bei Neonazi-Übergriffen, machten die Beamten von sich reden.

Wie im Fall von Nasruddin, haben die Polizisten und Polizistinnen in den meisten der genannten Beispiele kaum mit rechtlichen Konsequenzen für ihr Fehlverhalten zu rechnen.
So bleibt es mehr als unwahrscheinlich, dass sich die benannten Missstände in Wismar und Nordwestmecklenburg ändern werden.

Wir solidarisieren uns mit den Opfern rassistischer und staatlicher Gewalt und wünschen Nasruddin auf diesem Wege alles gute für seine persönliche Zukunft.

Kommentar: Christian Gnirke 21. Februar 2012 um 11:40 Uhr Edit
“ Hallo,
soeben entdecke ich diesen Eintrag auf Euer Homepage. Ich kann nur sagen, da ich gerade aus Bangladesh zurück gekommen bin, dass der beteiligte Nasirudin bis heute noch nicht einmal ein Schreiben von Amtswegen bekommen hat. Nur mir wurde für meine Klage über Hausfriedensbruch die Einstellung des Verfahrens mitgeteilt. Ich möchte nur noch sagen, dass ca. 1 Woche nachdem Nasirudin zu Hause war sein Vater vor Gram über die deutsche Polizei gestorben ist. Er wohl wohl Herzkrank, aber das was seinem Sohn hier wiederfahren ist hat sein Herz nicht überstanden. Nasirudin selbst hat durch seine körperliche Behinderung und durch diese Sache hier in Wismar sehr starke Deprssionen und ist nicht arbeitsfähig. Er hat diesen Schock noch längst nicht überwunden. Eine ärztliche Behandung in Bangladesh ist nicht möglich und auch nicht bezahlbar. Ich finde, dass der deutsche Staat verpfichtet ist, Ihm hier in Deutschland eine angemessene Behandlung zukommen zu lassen.

Wenn ich hier durch Wismar fahre und Autos oder Beamte der Polizei sehe, habe ich immer noch dieses schreckliche Bild vor Augen wie die 3 Polizisten mit gezogener und entsicherter Handwaffe auf mich und meine Mitarbeiter geziehlt hat. Für mich ist die Wismarer Polizei in keiner Weise der Freund und Helfer, sondern eine Gefahr für alle Dunkelhäutigen. Ich mache immer einen großen Bogen um die Beamten und hoffe nur niemals mit denen Kontakt haben zu müssen.“